Asturien ist für mich eines der spannendsten Wanderziele in Nordspanien, weil Küste, Mittelgebirge und die Hochlagen der Picos de Europa hier erstaunlich nah beieinander liegen. Genau diese Mischung macht die Region so attraktiv: Du kannst an einem Tag eine Schlucht, am nächsten einen stillen Talweg und danach eine aussichtsreiche Küstenetappe gehen. In diesem Artikel zeige ich dir, welche Routen sich wirklich lohnen, wie du sie nach Schwierigkeit auswählst und worauf du bei Wetter, Anreise und Rückweg achten solltest.
Die wichtigsten Punkte für eine gute Wanderplanung in Asturien
- Asturien wandern klappt am besten mit einer klaren Routenwahl, denn viele Strecken sind linear und brauchen eine Rückweg-Lösung.
- Für den Einstieg sind der Cares Trail, die Senda del Oso und die Ruta del Alba besonders sinnvoll.
- Das Wetter wechselt schnell, deshalb sind feste Schuhe, Regenjacke und ein realistischer Zeitpuffer wichtiger als perfekte Sonnentage.
- Die Zufahrt zu beliebten Punkten wie den Lagos de Covadonga kann saisonal geregelt sein und sollte vorab geprüft werden.
- Wer Natur und wenig Andrang sucht, fährt oft mit weniger bekannten Tälern besser als mit den bekanntesten Instagram-Spots.
Warum Asturien für Wanderer so gut funktioniert
Der große Vorteil der Region ist ihre Dichte. In kaum einer anderen Ecke Spaniens liegen Atlantikküste, grüne Täler, Kalksteinberge und Hochgebirgslandschaften so eng beieinander. Das ist nicht nur landschaftlich stark, sondern auch praktisch: Du musst für einen Tapetenwechsel keine langen Strecken fahren.
Ich sehe Asturien vor allem als Region für Menschen, die Abwechslung mögen. Wer lieber nur eine einzige Art von Wanderung sucht, kann sich hier fast verlieren, weil es sehr unterschiedliche Profile gibt: breite Talwege für ruhige Tagesausflüge, spektakuläre Schluchtenwege für sportlichere Touren und Küstenpfade mit wenig Höhenmetern, aber viel Aussicht. Dazu kommt ein wichtiger Punkt: Viele Wege sind gut markiert, doch nicht jede Tour ist rund oder bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln lösbar.
Genau deshalb lohnt es sich, Asturien nicht als bloßes „Bergziel“ zu denken. Die Region spielt ihre Stärken aus, wenn du Landschaft, Länge und Logistik zusammen betrachtest. Und genau darauf gehe ich als Nächstes ein.
Die Routen, die ich zuerst prüfen würde
Wenn ich in Asturien nur wenige Touren zur Auswahl hätte, würde ich mit diesen Klassikern starten. Sie zeigen sehr gut, wie unterschiedlich Wandern in der Region aussehen kann.
| Route | Länge | Charakter | Wofür sie ideal ist | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|---|---|
| Ruta del Cares | ca. 21 bis 22 km hin und zurück | Schlucht, Tunnel, Brücken, alpines Panorama | Die bekannteste Tour für einen spektakulären Tagesausflug | Linearer Weg, Rückweg mitplanen, bei Andrang früh starten |
| Senda del Oso, Abschnitt Tuñón-Caranga | 11 km | Sehr sanftes Profil auf alter Bahntrasse | Familien, Einsteiger und entspannte Halbtage | Für die Rückfahrt oder die Rückrunde rechtzeitig planen |
| Ruta del Alba | 13,64 km | Mittlere Tour mit +416 m und -416 m | Wenn du viel Natur, aber weniger Trubel willst | Nach Regen kann der Untergrund rutschig sein |
| Lagos de Covadonga | Kurze Rundtour im Hochland | Leicht bis moderat, landschaftlich sehr stark | Für einen ersten Eindruck der Picos de Europa | Die Zufahrt kann saisonal eingeschränkt sein |
| Küstenweg bei Llanes | bis zu 65 km gesamt, abschnittsweise gehbar | Sehr wenig Höhenmeter, viel Atlantikküste | Für Genusswanderer und Mehrtages-Ideen | Am besten in einzelne Etappen aufteilen |
Der Cares Trail ist die große Bühne: dramatisch, eindrucksvoll, aber auch sehr beliebt. Die Senda del Oso ist dagegen fast das Gegenstück dazu, weil sie ruhig, familienfreundlich und auf weiten Teilen angenehm zu gehen ist. Die Ruta del Alba liegt dazwischen und ist aus meiner Sicht oft die klügere Wahl, wenn du Natur willst, aber kein Publikumsmagnet brauchst. Wer lieber mit Panorama als mit Höhenmetern arbeitet, sollte die Küste um Llanes nicht übersehen.
Wenn du nur eine einzige Tour suchst, entscheide nicht nach Bekanntheit, sondern nach Tagesform. Genau dieser Wechsel von spektakulär zu praktikabel ist der Punkt, an dem viele ihre Planung in Asturien verbessern können.

Wie du die passende Tour nach Kondition und Tagesform auswählst
Für die richtige Wahl ist weniger entscheidend, ob eine Route berühmt ist, sondern ob sie zu deinem Tempo passt. Ich plane Wandertage in Asturien immer über drei Fragen: Wie lang darf die Tour wirklich sein? Wie viel Höhenmeter fühlt sich noch angenehm an? Und wie komme ich danach wieder zurück?
Für Einsteiger und Familien
Die Senda del Oso oder die leichteren Küstenabschnitte sind hier meist die vernünftigste Wahl. Das liegt nicht nur an der Schwierigkeit, sondern auch an der psychologischen Entlastung: Ein sanfter Weg mit klarer Orientierung ist deutlich entspannter als eine lange Bergtour mit unklarem Rückweg. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte lieber eine kürzere Strecke mit schönem Ziel nehmen als einen zu ambitionierten Rundweg.
Für sportliche Tageswanderer
Die Ruta del Cares ist die naheliegende Referenz, aber sie verlangt mehr Disziplin, als viele zuerst denken. 21 bis 22 Kilometer sind kein Spaziergang, vor allem nicht, wenn du wegen Fotostopps und Andrang langsamer unterwegs bist. Ich würde für diese Tour wirklich einen großzügigen Zeitpuffer einplanen und die An- und Abreise so organisieren, dass du nicht unter Druck gerätst.
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Für alle, die Ruhe vor Bekanntheit stellen
In dieser Kategorie gewinnt für mich oft die Ruta del Alba. Sie ist lang genug, um als echte Tageswanderung zu funktionieren, aber nicht so überlaufen wie die ganz berühmten Klassiker. Genau solche Strecken sind oft die bessere Wahl, wenn du Naturerlebnis und konzentriertes Gehen suchst. Das ist keine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern von Erwartung: Wer Schluchtenromantik mit möglichst wenig Menschen möchte, sollte eher hier ansetzen.
Ein guter Praxiswert für Asturien ist außerdem: Plane nie nur die Gehzeit, sondern auch Pausen, Fotostopps und den eventuellen Transfer zurück zum Start. Diese Reserve macht am Ende oft den Unterschied zwischen entspanntem Wandertag und unnötigem Stress.
Was du bei Anreise, Rückweg und Wetter nicht unterschätzen solltest
Die häufigste Fehlerquelle in Asturien ist nicht die Kondition, sondern die Logistik. Viele der schönsten Wege sind linear, und genau dann wird aus einer guten Wanderung schnell ein Organisationsproblem, wenn der Rückweg nicht mitgedacht wurde. Das gilt besonders für den Cares Trail und für Abschnitte der Senda del Oso.
- Rückweg früh klären - bei linearen Routen musst du wissen, ob du zurückgehst, einen Shuttle nutzt oder ein zweites Fahrzeug brauchst.
- Wetter nicht schönreden - an der Atlantikküste und in den Bergen kann sich die Lage rasch ändern; Regen, Nebel und Wind gehören realistisch dazu.
- Festes Schuhwerk mitnehmen - auch leichte Wege können nach Regen glitschig werden, besonders in Fels- oder Waldabschnitten.
- Genug Wasser und Snacks einpacken - auf beliebten Strecken gibt es nicht immer unterwegs Versorgung.
- Früh starten - das reduziert Hitze, Andrang und den Druck, am Ende im Dunkeln zu geraten.
Bei den Lagos de Covadonga kommt noch ein weiterer Punkt dazu: Die Zufahrt kann je nach Saison und Verkehrsregelung eingeschränkt sein. Ich würde deshalb nie davon ausgehen, dass man einfach jederzeit bis zum Startpunkt durchfahren kann. Das gleiche Prinzip gilt für andere Hotspots: Gerade die berühmtesten Orte sind oft die, bei denen eine gute Tagesplanung am wichtigsten ist.
Wenn du diese drei Themen im Griff hast - Rückweg, Wetter und Startzeit - wird der Rest deutlich einfacher. Dann geht es nur noch darum, zur richtigen Jahreszeit das passende Gebiet zu wählen.
Wann sich welches Gebiet am meisten lohnt
Asturien ist kein Ziel, das nur in einer perfekten Saison funktioniert. Aber je nach Monat verschiebt sich der Fokus. Im Frühjahr und Herbst sind viele Wanderer mit den Tälern und Schluchten besonders gut bedient, weil die Temperaturen angenehmer sind und das Licht oft besser wirkt. Im Sommer funktionieren Küstenwege und frühe Starts in den Bergen am besten. Im Winter würde ich sehr selektiv sein und eher auf niedrigere, gut kalkulierbare Strecken setzen.
- Frühjahr - grün, frisch, oft ideal für Wasserläufe und Flusstäler.
- Sommer - am besten für frühe Bergstarts oder kühlere Küstenabschnitte.
- Herbst - für mich die stärkste Zeit, weil Farben, Luft und Licht oft besonders gut sind.
- Winter - geeignet vor allem für einfache, tiefer gelegene Routen, wenn die Bedingungen stabil sind.
Für Landschaftserlebnis würde ich im Herbst eher die Ruta del Alba oder die Picos de Europa wählen. Für einen entspannten Sommernachmittag funktioniert der Küstenweg um Llanes häufig besser als eine harte Bergtour. Und wenn du mit Familie reist, sind die sanfteren Wege im Landesinneren meist die stressfreiere Wahl. Die Region gibt dir also viele Optionen, aber sie belohnt vor allem die, die nicht stur auf eine einzige Route setzen.
So würde ich den ersten Wandertag konkret planen
Wenn ich in Asturien nur einen ersten Wandertag hätte, würde ich ihn sehr schlicht halten: morgens früh los, eine Route mit klarem Profil wählen und den Rückweg vorher fixieren. Für viel Panorama und ein echtes Aha-Erlebnis wäre die Ruta del Cares meine erste Wahl. Für mehr Ruhe und weniger Druck würde ich die Ruta del Alba nehmen. Mit Kindern oder wenn der Fokus auf einem entspannten Tag liegt, ist die Senda del Oso meist die bessere Entscheidung.
Mein pragmatischer Rat lautet deshalb: Nicht die berühmteste Tour gewinnt, sondern die, die zu deiner Kondition, zum Wetter und zur Logistik passt. Genau dort liegt der eigentliche Reiz des Wanderns in Asturien - du kannst spektakuläre Natur erleben, ohne dich in komplizierten Expeditionen zu verlieren. Wenn du sauber planst, bekommst du hier sehr viel Landschaft pro Kilometer.
Und genau das macht die Region so stark: Sie ist nicht nur schön, sondern auch vielseitig genug, um einen kompletten Wanderurlaub zu tragen, ohne dass jeder Tag gleich aussehen muss.
